Eisenhütte

Aus Norder Stadtgeschichte
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Eisenhütte

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Basisdaten
Gründung 1848 (faktisch); 1850 (offiziell)
Auflösung 1968 (offiziell: 19. Mai 1975)
Rechtsform 1850-1927: Compagnie (Co.)

1927-1975: Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)

Hauptsitz Osterstraße 135

26506 Norden

Die Eisenhütte (zuletzt: Norder Eisenhütte GmbH) war ein überregional bekanntes Eisenwerk mit Sitz in der Osterstraße. Es wurde auf dem Gelände der alten Osterburg gebaut, welche in den Baukomplex mit eingeschlossen wurde und war ursprünglich ein Zweigwerk des Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein im danach benannten Georgsmarienhütte (Landkreis Osnabrück). Der Begriff Eisenhütte ist ein allgemeiner, historischer Begriff für ein Eisenwerk und hat keine Verbindung zu der heute gängigen Definition für Hütte.

Die Eisenhütte hatte feste Vertretungen in Hannover, Hamburg und Kiel. Sogar im Herrscherpalast des Schah von Persien in Teheran soll ein Kachelofen der Norder Eisenhütte gestanden haben. Nach dem Abriss der Eisenhütte mitsamt der historischen Osterburg im Jahre 1969 entstand auf dem Gelände bis 1971 ein Bürogebäude mit mehreren Wohnungen sowie ein Verbrauchermarkt. Bis heute wird dieses Gebäude für den Einzelhandel genutzt.

Erst 1975 wurde der Betrieb aus dem Handelsregister gelöscht und hörte somit nach 125 bzw. 127 Jahren auch formell auf zu existieren.

Geschichte

Gründungsgeschichte

Hüttenzeichen

1848 erwarb die Firma Julius Meyer & Co. die Osterburg samt Grundstück sowie einer Scheune für 5.000 Reichstaler in Gold und gründete hier, unmittelbar an der Grenze zur Norder Umlandgemeinde Sandbauerschaft und in Nachbarschaft zur Firma Doornkaat, die Eisenhütte.[1][2] Der aus Westfalen kommende Meyer wählte Norden als Standort für das Werk aus, da die Stadt seinerzeit gute Schiffsanbindungen mit England unterhielt und dadurch die Bedingungen für den Zugang zu den erforderlichen Rohstoffen, insbesondere Eisen und Koks aus Schottland, relativ günstig waren.[1][3] Dass es hierzu kam, war vor allem Zufall. Meyer nächtigte seinerzeit in Norden, als er auf dem Weg zur Kur nach Norderney war und sah dabei im Norder Hafen anlegende Schiffe, die Kohle aus England importierten.[4] Zwischen England und dem Königreich Hannover, zu dem Ostfriesland seit 1815 gehörte, bestand damals ein Handels- und Wirtschaftsvertrag, der umfangreiche Zollvergünstigungen genehmigte. Meyer erkannte das Potential darin, sich die günstigen Verkehrs- und Zollbedingungen zu Eigen zu machen und ein Stahlwerk, seinerzeit Eisenhütte genannt, in Norden zu errichten. Dabei zog er die Stadt einer Niederlassung in Emden vor, da Norden ihm als geeigneter erschien.[2]

Nach der Erwerbung der Osterburg, die selbst noch innerhalb der Stadtgrenzen lag, deren nördliche Ländereien sich jedoch bereits innerhalb der Grenzen der Sandbauerschaft befanden, begannen zeitnah die Umbau- und Erweiterungsarbeiten.[2] Das Osterhaus nahm sodann die Werkstätten auf. Die Gießerei mit den Schmelzöfen und dem Kupolofen befand sich in der alten Gulfscheune.[2][5] Weiterhin wurden eine Schlosserei, ein Lagerhaus mit Schmiede sowie ein Nebengebäude errichtet.[6]

Die Norder Eisenhütte Co. wurde schließlich offiziell im Jahre 1850 gegründet und organisatorisch eine Zweigstelle des Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein bei Georgsmarienhütte (Landkreis Osnabrück).[5][7] Meyer setzte die Gebrüder August Heinrich Ibrügger und Gustav Rudolf Ibrügger, Söhne eines langjährigen Weggefährten, als als kaufmännische und technische Werksleiter ein.[3][8] Später gewann er noch den Gießerei-Ingenieur Direktor Kohlschütter als technischen Leiter hinzu.[3]

Aufstieg und Glanzzeit

Der Betrieb war das erste Eisenhüttenwerk im damaligen Königreich Hannover, was vor allem auch Pionierarbeit bedeutete. Da es in Ostfriesland praktisch keine Fachkräfte gab, warb Meyer gezielt Facharbeiter in seiner Heimatregion an.[7] Ostfriesland war ohnehin seit jeher ein Arbeitsziel vieler Westfalen, die sich bis dahin jedoch vor allem als Tagelöhner auf den Höfen der reichen Marschbauern verdingten. Das Unternehmen erbaute in der später so genannten Straße Glückauf ab 1888 für ihre Arbeiter mehrere Werkswohnungen, denen überdies Gartenland zur Eigenversorgung nördlich des Kolkbrücker Wegs zugeteilt wurde.[9][10]

Im März 1850 erfolgte der erste Guss, ermöglicht durch Roheisen und Koks aus Schottland.[6][11] Schon bald wurde der Betrieb im Ofen- und Kachelofenbau eine der führenden Eisenwerke Deutschlands und verkaufte ihre Waren auch ins Ausland. Die Norder Eisenhütte war hierbei insbesondere für ihre qualitativ hochwertige und besonders detailreiche Arbeit bekannt. Noch heute werden alte Werke in Museen ausgestellt, da die Produkte der Norder Eisenhütte zu den Exoten unter den historischen Gusseisenöfen gehören. Zu Beginn wurden jedoch auch kleinere, jedoch nicht minder qualitative Dinge wie Nägel hergestellt. Damit trat die Eisenhütte in unmittelbare Konkurrenz zur Nagelfabrik Wellenkamp.[12]

Das Unternehmen entwickelte sich zu einer der führenden Firmen im Bereich Kachelofenbau im deutschen Gebiet. Dabei kam ihm zugute, dass Hannover 1851/1854 in den von Preußen geführten Deutschen Zollverein eintrat. Die Hauptabsatzgebiete waren Hannover, Lüneburger Heide, Schleswig-Holstein, Mecklenburg und Hamburg. Es wurde jedoch auch ins Ausland exportiert, vor allem über die Seehäfen in Hamburg und Lübeck. So wurden die hergestellten Waren auch nach Holland, Dänemark und sogar bis nach Mexiko und Ägypten verschifft.

Der Anschluss Ostfrieslands an Preußen 1866 bewirkte Zollbarrieren gegen Eisen und Kohl aus England, auch der wirtschaftliche Aufstieg des Ruhrgebietes, besonders nach dem Deutsch-Französischen Krieg in den Jahren 1870/71, brachte eine Verschiebung der Frachtlage zu Ungunsten des Werkes mit sich. Das um die Rentabilität ringende Unternehmen hatte in den folgenden Jahrzehnten verschiedene Eigentümer, die die Eisengewinnung nun nicht mehr aus Erz, sondern aus Alteisen forcierten. Trotz aller Schwierigkeiten konnte die Eisenhütte im Jahre 1873 immer noch 145 Mitarbeiter in Lohn und Brot halten und die Belegschaft ein Jahr später sogar noch auf 201 steigern. Insgesamt wurden zu dieser Zeit jährlich etwa 1.000 Tonnen Gusswaren verkauft.[11] Auf gusseiserne Unterkästen für Tonöfen hielt man seit 1879 sogar ein Patent.[12]

Nach dem Tode des Firmengründers 1863 gelangte das Werk in den Besitz der Familie Tenge, mit der Meyer durch Heirat verbunden war. Zwischen 1880 und 1887 kam auch Ludwig Landmann (und nach ihm sein Sohn Hermann Landmann) als weiterer oder neuer Inhaber der Eisenhütte hinzu.[11][13] Ludwig Landmann war mit Charlotte, einer geborenen Ibrügger verheiratet.[14]

Die Familie Landmann erbaute sich in unmittelbarer Nähe der Eisenhütte eine ansehnliche Stadtvilla, die bis heute als Haus Landmann bekannt ist. Man begann, die Kohle nicht mehr nur aus England, sondern vor allem auch aus dem Ruhrgebiet zu importieren.[11] Zum 50-jährigen Firmenjubiläum pflanzte die Geschäftsleitung eine Eiche im Innenhof, in dem zudem eine Gedenktafel mit der Aufschrift Norder Eisenhütte. Julius Meyer & Comp. Eisengießerei. Schleiferei, Vernickelungsanstalt. Feuerbeständig emaillierte Oefen in allen Farben.[7]

Ungewöhnlich für damalige Zeiten zeigte sich das Werk gegenüber den Angestellten und Arbeitnehmern vergleichsweise mildtätig. Ab 1891 bis mindestens 1912 versorgte das Werk seine Arbeiter und Angestellten mit einer betriebseigenen Krankenkasse.[15]

1892 wurde die Eisenhütte mit einem kleinen Nebengleis an die Bahnstrecke Rheine-Norddeich Mole angeschlossen.[16][17] Dadurch konnten die Rohstoffe und die gefertigten Erzeugnisse deutlich schneller und besser an- bzw. abgeliefert werden.[17] Das Werk produzierte zu dieser Zeit vor allem Ofentüren, Wärmeröhrentüren und Vorstellplatten, um offene Feuerstellen effizienter bzw. Ofenanlagen für langflammige Brennstoffe auch für den Kohlebrand tauglich zu machen.[18] Seinerzeit wurde vor allem das wesentlich erschwinglichere und leicht verfügbare, aber auch weniger effizientere Torf verheizt. Für den Bau des Denkmals zu Ehren der aus Osteel stammenden Astronomen David und Johann Fabricius auf dem Friedhof der Osteeler Kirche fertigte die Eisenhütte eine eiserne Umzäunung.[19] Um die Jahrhundertwende und bis ins 20. Jahrhundert hinein soll der Betrieb rund 200 Beschäftigte gehabt haben, womit es neben Doornkaat, Steinbömer & Lubinus sowie der Norder Fehngesellschaft zu den wichtigsten Norder Arbeitgebern gehörte.

Aufkommen wirtschaftlicher Schwierigkeiten

Durch das Erstarken der Sozialdemokratie und gewerkschaftlicher Verbände kommt es 1906 zu einem Arbeiterstreik bei der Eisenhütte. Obgleich militärische oder polizeiliche Niederschlagungen von Streiks zur damaligen Zeit nicht ungewöhnlich waren, endet der Streik unblutig, aber dennoch mit Folgen für die Streikenden: Die Geschäftsführung lässt die Namen und ihre Gehälter aller am Streik Beteiligten in ganzseitigen Zeitungsannoncen abdrucken.[20]

Während des Ersten Weltkriegs produzierte die Eisenhütte vornehmlich Waren für das Militär und konnte sich dadurch trotz Einbußen beim zum Kriegsdienst einberufenen Personal sowie Schwierigkeiten bei der Rohstoffversorgung über Wasser halten.[21] Aus ähnlichen Gründen suchte Teefabrikant Onno Behrends neue Geschäftsfelder, denn Tee war aus den Kolonien des Kriegsgegners Großbritannien nur noch schwer zu bekommen. Zudem ergaben sich für Behrends zu dieser Zeit kaum andere Möglichkeiten, sein im Asienhandel verdientes Geld anzulegen.[11][21] 1917 erwarb er einen knappen Mehrheitsanteil von Julius Meyer & Co.[21]

Nach Kriegsende diktierten die Siegermächte den Deutschen schwerwiegende Einschnitte. Große Gebiete in Pommern und Preußen mussten an Polen abgetreten werden, Elsass-Lothringen ging an Frankreich. Umfangreiche Reparationszahlungen waren zu leisten und das Militär wurde auf ein Minimum reduziert. So fiel auch ein Großteil der einst stolzen Kriegsmarine, die einen großen Hafen in Wilhelmshaven unterhielt, der Verschrottung zum Opfer. Die Eisenhütte machte sich daran, die dringend benötigten (weil nicht anders zu bekommenden) Rohstoffe mit eigenen Eisenbahnwaggons vom Kriegshafen zu holen.[22]

Dennoch hatte die Nachkriegszeit auch positive Auswirkungen für die Eisenhütte. Heimkehrenden Soldaten gründeten Familien gründeten Familien, der Bedarf an Heizöfen für den neuen Wohnraum stieg. Leider jedoch erwies sich die Übernahme durch Behrends für den wirtschaftlichen Erfolg nicht als Glücksgriff.[3] Schließlich war ein Eisenwerk ein völlig anderer Gewerbszweig als der Teeimport. Hinzu kam, dass Franzosen und Belgier 1923 das schutzlose Ruhrgebiet besetzten, wodurch der so wichtige Rohstoffnachschub für die Eisenhütte versiegte. Wegen der grassierenden Inflation und des Devisenmangels war auch ein Ausweichen auf Importe aus England nur sehr eingeschränkt möglich.[22]

Dann trat auch noch die Arbeiterschaft der Eisenbahngesellschaften in den Streik, da wegen der Inflation keine wertbeständigen Löhne mehr gezahlt wurden. Als dann auch noch die eigenen Arbeiter der Eisenhütte im August 1923 sowie abermals im März 1925 (für 5 Monate) in den Ausstand traten, war das Ende des Werks nur noch eine Frage der Zeit. Tatsächliche drohte bald der Bankrott und die Versteigerung. Sodann erwarben die Norder Senatoren Popke Fegter und Carl Stegmann sowie der Betriebsdirektor Hermann Landmann im Jahr 1927 die Eisenhütte für 291.000 Reichsmark aus dem Vermögen des 1920 verstorbenen Onno Behrends, gründeten eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) und retteten sie damit vor dem Ruin.[23] Fegter hatte sich bereits 1912 unmittelbar gegenüber der Hütte eine Stadtvilla errichten lassen und wohl damals bereits ein Auge auf das stolze Werk geworfen. Auch Direktor Landmann wohnte nur wenige Meter von ihm entfernt.

Wenig später kam das Werk in den Alleinbesitz Fegters, nachdem die anderen Gesellschafter unerwartet aus der Eisenhütte GmbH ausgestiegen waren. Während der Grund für das Ausscheiden Landmanns (1927) nicht bekannt ist, lagen die Gründe bei Stegmann (1934) darin, dass dieser sein Engagement bei der aufstrebenden Reederei Frisia verstärken wollte und daher nur noch wenig Zeit für die Eisenhütte besessen hätte.[24]

Noch unter Fegters Führung wurde die zur Versorgung der Hochöfen benötigte, mit Kohle betriebene Dampfmaschine im April 1933 durch eine elektronische ersetzt.[25] 1936 wurde Fegter dann von den Nationalsozialisten enteignet, nachdem er bei ihnen durch sein wirtschaftliches Engagement, das die Arbeitslosigkeit senkte sowie Spott über Hermann Göring in Ungnade gefallen war. Wäre er Mitglied der NSDAP gewesen, hätte man ihn für seine wirtschaftlichen Maßnahmen sicherlich gefeiert. Die Eisenhütte fiel nun an seinen Sohn Dr. Georg Fegter, der bereits die Geschäftsteile Stegmanns erworben hatte und an dessen Ehefrau Gerda Fegter.[24][26] Georg konnte die schwächelnde Eisenhütte trotz seines Verweilens in Hannover mithilfe des 1935 wieder eingestellten Ingenieurs Gerhard Uphoff noch einmal hochbringen, da die Kriegsmarine viele gusseiserne Teile benötigte. 1933 arbeiteten immerhin noch 80 Beschäftigte im Werk.[26] 1942 wurde durch den hohen Bedarf der Wehrmacht sogar fast ein Rekordhoch in der Produktion erzielt.[27] Produziert wurden vor allem Gusseisenteile für den Bau von U-Booten.[1][28]

Als Ersatz für die kriegsbedingt fehlenden Arbeiter wurde auch in der Eisenhütte auf Kriegsgefangene zurückgegriffen, vor allem auf französische und polnische, die in ehemaligen Lagerräumen des Werks untergebracht waren.[29] 1945 bereitete das Kriegsende dann der Produktion infolge des Verlustes der Kriegsgefangenen ein Ende. Auch die fehlenden Wehrmachtsaufträge schadeten der wirtschaftlichen Existenz. Das damalige Hauptabsatzprodukt, Kochöfen für Privathaushalte, konnte das Unternehmen kaum am Leben halten.[11]

Ab 1950 wurde in neue Maschinen investiert, um sich im nationalen und internationalen Preiskampf besser aufstellen zu können. Ermöglicht wurde dies durch die Währungsreform 1948.[11] Auch wurden Auftragsarbeiten für Eisengüsse für andere Firmen neben dem Tagesgeschäft abgewickelt und sogar Fensterrahmen aus Gusseisen gefertigt. Viele Aufträge kamen auch auch von Schiffsbauern, Landmaschinenherstellern und der boomenden Bauindustrie. Die Eisenhütte hatte feste Vertretungen in Hannover, Hamburg und Kiel. Sogar im Herrscherpalast des Schah von Persien (heute Iran) in der Hauptstadt Teheran soll ein Kachelofen der Norder Eisenhütte gestanden haben. Durch seinen guten Ruf konnte das Werk einen (noch) ausreichenden Absatzmarkt halten und 1952 immerhin noch über 100 Mitarbeiter beschäftigen.[1]

Von der wirtschaftlichen Erholung in der jungen Bundesrepublik (Wirtschaftswunder) konnte auch die Eisenhütte noch einmal profitieren. Mit dem sogenannten Allesbrenner, ein neuer Typ des Heißluftofens, landete man einen letzten Verkaufsschlager.[30] 1959 stieg Georg Fegter endgültig aus dem Unternehmen aus.

Niedergang und Ende

Kurz darauf setzte sich jedoch der endgültige, unaufhaltbare Abschwung ein. Da auch die schon während des Kriegs dringend notwendigen Reparaturen wegen des Mangels an Materials nie behoben werden konnte, war das Werk zu dieser Zeit kaum mehr als eine Ruine. 1968 ging das Unternehmen endgültig in Konkurs und wurde schließlich 1969 abgerissen.[31][32] Beim Abbruch der Eisenhütte wurde die Osterburg mit abgerissen, der seinerzeit älteste, noch bestehende Profanbau der Stadt, da dem Denkmalschutz seinerzeit noch keine Bedeutung zugemessen wurde.[33] Zwischenzeitlich hatten sich bereits Plünderer und Vandalen schadlos an den alten Gemäuern gehalten und das wenige, was sich noch verwerten ließen, gestohlen.[32]

Das Unternehmen, das zuletzt 30 Mitarbeiter hatte, hatte vor allem dadurch einen herben Schlag erlitten, dass Häuser nun vor allem mit Öl- und Gasheizungen betrieben wurden. Hinzu kam, dass Norden fernab der prosperierenden Ballungszentren lag.[31][34] Nach dem Tode Georg Fegters im Jahre 1961 gingen dessen Anteile an seine Ehefrau Gerda Fegter. Diese verpachtete den Betrieb 1967 an Wilhelm Kutz, dem nun aber nur kaum mehr als die Abwicklung des sterbenden Werks oblag. Die Norder Eisenhütte GmbH an sich bestand jedoch noch bis 19. Mai 1975 fort.[34]

Seit 1971 stehen auf dem alten Betriebsgelände ein Bürogebäude bzw. Mehrparteienhaus sowie ein Verbrauchermarkt. Der zweite Combi (nach jenem in Esens) öffnete hier seine Türen. Später folgten Märkte der Ketten Continental, Interspar, Spar, Wal Mart und real,-. Seit 2021 befand sich neben real,- auch eine Zimmermann-Filiale in dem Gebäude. Im Frühjahr 2022 wurde bekannt, dass EDEKA Anton Götz hier eine Zweitfiliale eröffnen möchte. Mitte Juni des Jahres wurde der real-Markt nach einigen Wochen des Ausverkaufs schließlich geschlossen.

Erzählungen

Die Arbeiter der Eisenhütte sollen nach Feierabend gerne regelmäßig in das Mittelhaus eingekehrt sein. Angesichts ihres nicht unerheblichen Alkoholkonsums soll ihnen eine Wirtin nahegelegt haben, ihren Lohn statt in Schnaps in ihre Familie zu investieren.[35]

Galerie

Allgemeine Fotos

Produkte

Erläuterungen zu Bild 1 bis 4:

Die Bilder zeigen einen in der Eisenhütte gefertigten, sogenannten Regulierofen aus der Zeit um 1890. Der Ofen wird im Deutschen Eisenofenmuseum ausgestellt, welches auch die Bilder gefertigt hat. Die Bilder veranschaulichen die hochwertige und detailreiche Arbeiten der Norder Eisenhütte.[36]

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Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Canzler, Gerhard (1994): Norden. Museen im Alten Rathaus, Norden, S. 125
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 96
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 111
  4. Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 95
  5. 5,0 5,1 Rack, Eberhard (1967): Besiedlung und Siedlung des Altkreises Norden, Münster, S. 82
  6. 6,0 6,1 Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 97
  7. 7,0 7,1 7,2 Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 100
  8. Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 98
  9. Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 101
  10. Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 105
  11. 11,0 11,1 11,2 11,3 11,4 11,5 11,6 Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 111
  12. 12,0 12,1 Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 99
  13. Wikipedia-Artikel zu Wilhelm Landmann mit Geburtsdaten zu Ludwig Landmann, abgerufen am 23. April 2022
  14. Genealogische Aufzeichnungen, zur Verfügung gestellt von Claus Herlyn (E-Mail vom 29. September 2022)
  15. NLA AU Rep. 16/1, Nr. 2103
  16. Preußische Grundkarte von ca. 1895 (Erste Landesaufnahme)
  17. 17,0 17,1 Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 104
  18. Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 25
  19. Abrechnungsunterlagen zum Bau des Fabricius-Denkmals, abgerufen am 10. März 2021
  20. Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 8
  21. 21,0 21,1 21,2 Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 104
  22. 22,0 22,1 Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 106
  23. Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 107
  24. 24,0 24,1 Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 114
  25. Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 109
  26. 26,0 26,1 Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 240
  27. Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 242
  28. Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 116
  29. Beschreibung von Norden in der historischen Ortsdatenbank der Ostfriesischen Landschaft
  30. Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 118
  31. 31,0 31,1 Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 113
  32. 32,0 32,1 Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 117
  33. Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 79
  34. 34,0 34,1 Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 122
  35. Erzählung des Norder Bürgers Conrad Lentz vom 15. Februar 2020
  36. Internetseite des Deutschen Eisenofenmuseums, abgerufen am 18. Februar 2021

Siehe auch