Jüdische Schule

Aus Norder Stadtgeschichte
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Jüdische Schule

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Basisdaten
Entstehungszeit 1871
Erbauer Jüdische Gemeinde Norden
Bauweise Ziegelsteinbau
Entwidmung 1939 (1934)
Erhaltungszustand erhalten
Genaue Lage Synagogenweg 4

26506 Norden

Die Jüdische Schule wurde von der jüdischen Gemeinde am Synagogenweg 4 errichtet. Die Ursprünge einer jüdischen Schule reichen jedoch weiter zurück. Es handelte sich um eine Elementarschule, in der die Kinder in den Klassen 1 - 4 unterrichtet wurden. Sie wurde auch Israelitische Elementarschule genannt.[1] Das Gebäude steht heute unter Denkmalschutz.[2]

Geschichte

Das heute noch erhaltene Gebäude, das nach wie vor als Jüdische Schule bekannt ist, wurde von der jüdische Gemeinde im Jahre 1871 errichtet. Zuvor wurden die Kinder der Gemeinde spätestens ab 1844 in der ehemaligen Synagoge, damals noch am Neuen Weg 110, unterrichtet. Unterrichtet wurde in zwei Klassen mit je einem Lehrer. Diese hatten im Nebenamt und unentgeltlich noch weitere Dienste in der Gemeinde zu verrichten, wie beispielsweise die Aufgaben des Vorbeters, Predigers, Kantors oder Chorleiters. Neben ihrem äußerst kargen Gehalt erhielten sie ein zusätzliches Wohngeld sowie einen Zuschuss für Brennmaterialien. Der zweite Lehrer erhielt zudem, sofern er noch nicht verheiratet war, ein tägliches Mittagessen bei den Familien der Gemeinde, da er noch weniger bekam, als der erste Lehrer, der zugleich Hauptlehrer bzw. Oberlehrer der Schule war.[1] Die längste Dienstzeit auf der ersten Lehrerstelle hatte wohl Abraham Levy inne, der bis zu seinem Tode am 29. Oktober 1916 mehr als vier Jahrzehnte als Lehrer an der Schule tätig war.

Zur weiterführenden Bildung waren die jüdischen Schuler gezwungen, auf andere Schulen im Stadtgebiet auszuweichen, wo sie nicht selten Stigmatisierung ausgesetzt waren. Obgleich sie am allgemeinen Schulunterricht teilnahmen, fand der Religionsunterricht in der jüdischen Schule durch die eigenen Lehrer statt. Dies war damals üblich, so erhielten auch die Schüler der katholischen Gemeinde gesonderten Religionsunterricht von einem ihrer Pfarrer.

Im Jahre 1873/74 besuchten 15 Schüler jüdischen Glaubens das Ulrichsgymnasium. In den Folgejahren betrug ihre Zahl durchschnittlich zehn. Im Jahre 1930 waren es nur noch vier. Doppelt soviel werden im selben Jahr als Abgänger der Gräfin-Theda-Schule (Mittel- bzw. Realschule) genannt.

Die jüdische Schule wurde am 1. April 1934 geschlossen, Lehrer Klein zwangsweise in den Ruhestand versetzt.[1] Die jüdischen Kinder wurden daraufhin in die Katholische Schule umgeschult, was jedoch auf den Widerstand von Eltern der dortigen Schüler stieß.[3] Ab Juni 1934 konnte Klein die Jüdische Schule deshalb als eine private jüdische Elementarschule weiterführen.[1][3] 1939 schlug das endgültige Ende der jüdischen Schule. Bedingt durch die nationalsozialistische Verfolgung und insbesondere im Hinblick auf die erlittenen Gräueltaten während der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde der Schulbetrieb eingestellt. Die letzten Juden verließen bis 1940 die Stadt oder wurden deportiert. Ein Jahr später wurde die Gemeinde schließlich auch formell aufgelöst.

1963 erwarben Hillert und Heinrich Hillebrands das Haus Meyer am Neuen Weg 111 mitsamt der damals noch dazugehörigen (ehemaligen) Jüdische Schulen. Das Haus 111 wurde saniert und dabei der untere Teil der Fassade umgestaltet. Nach einigen Jahren verkleinerte Heinrich Hillebrands das Geschäft und zog sich an den Synagogenweg zurück. Der Laden am Neuen Weg wurde an Foto Ekkenga vermietet. Nach dem Tode Heinrichs wurde das Objekt an die Ostfriesische Landschaftliche Brandkasse verkauft.[4]

Anfang 1992 übernahm die Ostfriesische Brandkasse auch das ehemalige Schulgebäude und restaurierte es. Dabei wurde großen Wert auf denkmalpflegerische Gesichtspunkte gelegt.[5] Heute befindet sich hier unter anderem ein Frisörsalon.

Beschreibung

Das Gebäude ist ein schlichter Ziegelsteinbau. Zu Schulzeiten gehörte ein kleine Schulgarten dazu, für den Sportunterricht wurde die Turnhalle des Norder Turnvereins genutzt.[6]

Lehrkräfte

Erste Lehrerstelle

Zeitraum Erster Lehrer
1844 - ??? Jacob Krah
1855 - 1856 Oberlehrer Emanuel
1856 - 1858 Samuel Baruch Flersheimer
1858 - 1882 Mendel Wieluner
1882 - 1916 Abraham Levy
1916 - 1919 vakant
1919 - 1939 Isaak Klein

Zweite Lehrerstelle

Zeitraum Erster Lehrer
1844 - 1884 Moses Friedberg
1885 - 1891 Ferdinand Israel
1891 - 1894 Manasse Schweitzer
1894 - 1897 Simon Cossen
1897 - 1916 Isaak Klein
1916 - 1920 Joseph Eschwege
1920 - 1920 vakant
??? - ca. 1935 Julius Wolff

Zeitweise, so beispielsweise 1895, hatte die Gemeinde neben den Lehrern eine weitere Person angestellt (Synagogendiener, Hilfsschochet, Schuldiener).[1] Oftmals waren die Inhaber der zweiten Lehrerstelle zudem gleichzeitig als Vorsänger für die Gemeinde tätig.

Galerie

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Norden (Kreis Aurich, Ostfriesland): Jüdische Geschichte / Synagoge auf Alemannia Judaica, abgerufen am 14. April 2021
  2. Liste der Baudenkmale in Norden, abgerufen am 12. November 2021
  3. 3,0 3,1 Forster, Hans / Schwickert, Günther (1988): Norden. Eine Kreisstadt unterm Hakenkreuz, Norden, S. 159
  4. Angaben des Nachkommen Hillert Hillebrands (E-Mail vom 18. Juli 2022)
  5. Gödeken, Lina (2000): Rund um die Synagoge in Norden. Die Geschichte der Synagogengemeinde seit 1866, Aurich, S. 132
  6. Ein Rundgang durch Norden, abgerufen am 25. März 2021

Literatur

  • Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 86

Siehe auch