Stadtchronik

Aus Norder Stadtgeschichte
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Die Stadtchronik gibt einen kurzen und übersichtlichen Einblick über die wichtigsten Ereignisse der Stadtgeschichte. Eine detailliertere Schreibung findet sich in der Geschichte der Stadt Norden.

Vorgeschichte

9000 bis 4500 vor Christus:

Das bislang älteste Fundstück in Form einer handwerklich genutzten Geröllkeule aus dem Erdreich südöstlich von Norden zeugt von frühen menschlichen Aktivitäten in dieser Gegend.

ab 500:

Nach den Chauken und Sachsen bevölkern nun auch Friesen das heutige Ostfriesland. Es kommt teils zu Verdrängungen, teils zu Vermischungen zwischen den Völkern. Besonders die erhöht liegenden Geestgebiete werden besiedelt, da sie besseren Schutz vor den Fluten bieten. Hier ist der Beginn der Stadt Norden zu suchen, dessen Kernstadt auf einer Geestinsel erbaut wurde. Der älteste Wohnteil ist vermutlich im Bereich der Westerstraße zu suchen.

ab 734:

Das friesische Reich, beherrscht vom legendären Friesenkönig Radbod wird von den Franken unter Karl Martell zerschlagen. Nachfolgend werden die heidnischen Friesen von Bischof Willehad, dem ersten Bischof von Bremen, missioniert. Weitere Missionierungen erfolgen ab 775 durch den heiligen St. Liudger, dem später die Ludgerikirche und noch später auch die Ludgeruskirche geweiht wurden.

778:

Im Zuge der fortschreitenden Christianisierung fallen große Teil Ostfriesland an das Bistum Bremen.

884:

Die Friesen besiegen unter Bischof Rimbert die Wikinger in der Schlacht bei Nordendi. In dessen Folge wird die Theelacht gegründet.

um 900:

Der hölzerne Vorgängerbau der Andreaskirche und damit die erste Kirche im heutigen Stadtgebiet erbaut. Der Bau fällt in die Zeit der zunehmenen christlichen Missionierung und wurde durch den Bischof von Bremen in Auftrag gegeben.

11. Jahrhundert

um 1000:

Die Menschen beginnen, sich mit dem Bau von Warften (künstlich geschaffenen Erderhöhungen) und Deichen besser gegen Sturmfluten zu schützen.

12. Jahrhundert

um 1150:

Der hölzerne Vorgängerbau der Andreaskirche auf dem heutigen alten Friedhof wird niedergerissen und fortan durch einen steinernen Bau ersetzt.

um 1190:

Das Kloster Marienthal auf dem Gelände des heutigen Altenwohnzentrums in der Schulstraße bzw. Am Zingel wird gegründet.

13. Jahrhundert

zwischen 1200 und 1220:

Die Bauarbeiten an der Ludgerikirche beginnen. Die Kirche wird unmittelbar am Fuße der Andreaskirche errichtet. Es wird die Kirche der Norder Umlandgemeinden, während die Andreaskirche die städtische Kirche ist.

1217:

Fromme Pilger aus dem Norderland versammeln sich wahrscheinlich am Norder Marktplatz, um von hier ihre Teilnahme am Fünften Kreuzzug (Kreuzzug von Damiette) in das Heilige Land zu beginnen.

1255:

In dem mit der Stadt Bremen am 21. April 1255 im Kloster Marienthal sogenannten Norder Vertrag, einem Vertrag zur Sicherung des Friedens und der Handelswege, wird der um diese Zeit bereits städtisch geprägte Ort Norden erstmals urkundlich als Stadt erwähnt. Das Jahr 1255 gilt bis heute fälschlicherweise manchmal auch als das Gründungsjahr der Stadt, welches hingegen bis dato unbekannt ist.

1264:

Das Dominikanerkloster im Bereich des heutigen Fräuleinshofs und Ulrichsgymnasiums wird gegründet.

1269:

Ein schweres Unwetter mit Gewittern führt zu einem Stadtbrand. Die Stadt wird schwer beschädigt, auch die hölzernen Bauten des Dominikanerklosters geraten in Brand und werden nachfolgend durch Backsteinbauten ersetzt.

1271:

Der Bremer Erzbischof Hildebold von Wunstorf besucht die Stadt. Er verweilt im Dominikanerkloster, firmt Kinder und hält eine heilige Messe ab.

1277:

Der Stadt Norden wird das Stadtrecht verliehen. Zu dieser Zeit hatte der Ort jedoch bereits längst einen städtischen Charakter.

1288:

Der Bau der steinernen Andreaskirche wird fertiggestellt.

1296:

Erneut wird die Stadt von einem schweren Gewitter heimgesucht, das zum Brand mehrerer Gebäude führt. Möglicherweise geraten auch Teile der Ludgerikirche in Brand.

14. Jahrhundert

um 1310:

Der Glockenturm der Ludgerikirche wird erbaut.

1314:

Der Bremer Erzbischof Johann von Bremen besucht die Stadt, firmte die Kinder und weihte die Andreaskirche am 3. Mai des Jahres.

1315:

Eine schwere Hungersnot kommt über Stadt und Land. Insbesondere der gravierende Getreidemangel und die dadurch bedingte Verteuerung führt zu großem Elend.

1318:

Am 23. April des Jahres wird das Dominikanerkloster von Hylo Attena und Martin Cirksena besetzt. Sie streben danach, andere Würdenträger aus dem Amt zu drängen, um sich selbst mehr Einfluss zu sichern. Die Zeit der Ostfriesischen Häuptlinge rückt näher.

Im selben Jahr erschüttert ein Erdbeben die Stadt. Möglicherweise stürzen dabei Teile der Ludgerikirche ein.

1350 bis 1360:

Der Schwarze Tod (Beulen- oder Lungenpest) grassiert in Norden und Umgebung. Ein großer Teil der Bevölkerung fällt der Seuche zum Opfer.

1374:

Die Erste Dionysiusflut führt am 9. Oktober 1374 zu schweren Deichbrüchen. Sie reiht sich in eine Folge mehrerer, verheerender Sturmfluten, die zu massiven Landverlusten führte. Das einst wohlhabende Dorf Westeel wird schwer beschädigt und muss aufgegeben werden.

1375:

Die Zweite Dionysiusflut bringt zwischen dem 8. und 10. Oktober weitere Landverluste mit sich. Die Menschen, immer noch geschwächt von der Pest und den Deichbrüchen, waren den Fluten hilflos ausgeliefert. Die Wellen sollen bis an die Mauern des Dominikanerklosters vorgedrungen sein. Die Leybucht erreicht ihre größte Ausdehnung, sodass Norden nun einen Zugang zum offenen Meer erhält.

15. Jahrhundert

1425:

Unter Häuptling Udo Focken, Sohn des mächtigen Focko Ukena wird der erste Deich zur Sicherung von Sturmfluten der Leybucht errichtet. Nach seinem Erbauer wird er auch Udo-Focken-Deich genannt. Die bis dahin erbauten Deiche schützten die Menschen nur vor der direkten Nordsee.

um 1450:

Unter Ulrich I. Cirksena wird der Hochchor der Ludgerikirche errichtet.

1491:

Die Stadt Norden wird am 11. November offizielle als solche neben Emden und Aurich in der Rolle der Emder Goldschmiedezunft genannt.

1498:

Aus diesem Jahr entstammt das älteste bekannte Norder Stadtsiegel. Es hat sich seitdem nicht wesentlich geändert.

16. Jahrhundert

1509:

Der Neue Weg (bis dahin: Lange Lohne bzw. Langer Weg) wird nach großen Stadtbrand von 1509 wiederaufgebaut und erhält dadurch seinen Namen. Als Ursprung des Brandes wird das Haus eines Barbiers nahe des Kirchhofes des Dominikanerklosters angenommen.

Am 27. September kommt es zu einer schweren Sturmflut.

1514:

Im Juni des Jahres wird die Stadt, wie auch das gesamte Amt Berum, im Rahmen der Sächsischen Fehde von der Schwarzen Garde, einem Söldnerheer geplündert und gebrandschatzt.

1519:

Martin Luther entsendet einen seiner einen Anhänger, ein Mönch namens Stephani, in die Stadt, um seine Lehren im Dominikaner- und im Benediktinerkloster zu verbreiten.

1527:

Die 1517 begonnene Reformation hält auch in Norden erstmalig Einzug. In der Folge kommt es zu einer Verdrängung des katholischen Glaubens und einer sich über die Jahre verhärtende Konfrontation zwischen Anhängern der lutheranischen und der reformierten (calvinistischen) Glaubensrichtung.

1531:

Ein Heerhaufen des mit den in Norden herrschenden Cirksenas verfeindeten Häuptlings Balthasar von Esens zerstört zahlreiche Gebäude, darunter das Alte Rathaus und die Andreaskirche, die danach verfällt und bis 1756 restlos abgebrochen wird.

1533:

Ein Heer von Landsknechten unter Meinert von Hamme quartiert sich nach ihrem Sieg in der Schlacht von Jemgum in Norden ein. Die Norder Bevölkerung leidet selbst größte Not und ist nun noch gezwungen, das Söldnerheer zu versorgen.

1535:

Mit der Instituta Nordana als Grundlage für eine Verfassung wird die Stadtbildung formalrechtlich abgeschlossen. In der Verfassung werden im Stile einer Polizeiordnung auch das Polizeiwesen der Stadt neugeordnet.

1539:

Auf den Trümmern des Vorgängerbaus wird bis 1542 das heutige Alte Rathaus erbaut.

1551:

Unter Gräfin Anna von Oldenburg wird begonnen, die während der Sturmfluten im 14. Jahrhundert verlorenen Gebiete zurückzugewinnen. Sie lässt den (alten) Süderdeich errichten, wodurch das (alte) Westermarscher Neuland besiedelt werden kann.

1556:

Gräfin Anna beginnt, das Süderneuland einzupoldern.

1559:

Die Pest wütet erneut in der Stadt. Unzählige Menschen fallen ihr zum Opfer, unter anderem der gemäßigte, reformierte Prediger Martin Micron. Sein Nachfolger, Johannes Ligarius, vertrat eine stringentere Ausrichtung des Glaubens und trug maßgeblich zur Entladung des Konfliktes zwischen Lutheranern und Reformierten bei.

1583:

Vor dem alten Süderdeich wird unter Edzard II. Cirksena ein neuer Deich gezogen. Das Westermarscher Neuland entsteht.

1586:

Da die Norder Seeflotte ab 1583 das unter spanischer Blockade stehende Groningerland mit Nahrungsmitteln versorgt, wird die Stadt von Söldnern des Francisco Verdugo, dem spanischen Staathalter in Groningen, heimgesucht.

1596:

Das Süderneuland wird nach Süden hin erweitert. Es entsteht das Addinggaster Neuland.

1597:

Der Schwarze Tod (Pest) sucht die Stadt ein weiteres Mal heim. Pastor Elsenius hält diese tagebuchartig in seinen Aufzeichnungen fest.

17. Jahrhundert

1602:

Am 29. April des Jahres rücken Oberst Joost von Landsbergen und Wilhelm von Knyphausen mit mehreren Söldnerkompanien (insgesamt rund 1.400 Mann) gegen Norden vor, nachdem die Norder Bürger Graf Enno III. ein Jahr zuvor die Huldigung verweigerten.

1611:

Einer erneuten Pestepidemie fallen zahlreiche Menschen in der Region zum Opfer, darunter neun von zehn Geschwister des Hermann Conring.

1622:

Der in seiner Machtposition durch Auseinandersetzungen mit der Ostfriesischen Landschaft geschwächte Graf Enno III. lässt zu, dass die niederländische Regierung Truppen des gefürchteten Söldnerheerführers Ernst von Mansfeld in Ostfriesland stationiert werden. Die Bevölkerung Ostfrieslands - und auch Nordens - hat stark unter dem Söldnerheer zu leiden, das die Bevölkerung zu immer neuen Tributzahlungen nötigt. Die Mansfelder verließen Ostfriesland erst im Jahr 1624 wieder.

1623:

Noch während der feindlichen Besatzung kommt der Schwarze Tod erneut über das Land und verursacht mehrere tausend Tote, darunter zwei Drittel der Mansfelder Söldner.

1677/78:

Südlich von Süderneuland und südöstlich der Westermarsch wird neues Land gewonnen: Der Wester-Charlottenpolder und der Süder-Charlottenpolder.

1686-92:

Der Hamburger Orgelbaumeister Arp Schnitger erbaut die heute weltberühmte Barockorgel in der Ludgerikirche.

18. Jahrhundert

1715:

Durch den Addinggasterpolder wird das Süderneuland gen Norder Tief erweitert.

Einer bis 1782 anhaltenden Viehseuche fallen unzählige Nutztiere anheim. Der wirtschaftliche Schaden ist enorm. Schätzungsweise 380.000 Rinder sollen in dieser Zeit an der Seuche verendet sein.

1716:

Ein großer Mäusefraß zerstört zahlreiche Getreide- und Gemüsefelder und schädigt die Landwirtschaft zusätzlich.

1717:

Die Weihnachtsflut richtet schwerste Verwüstungen an. Es kommt zu mehreren Deichbrüchen, Itzendorf wird praktisch gänzlich zerstört, die Felder zersalzen. Die Fluten reichen bis in den Norder Innenstadtbereich.

1744:

Der letzte Cirksena, Carl Edzard, stirbt kinderlos in Aurich. Das Fürstentum Ostfriesland fällt an Preußen unter Friedrich dem Großen. Es beginnt eine Zeit der wirtschaftlichen Festigung.

1751:

Friedrich der Große verordnet die Einführung von Grund- und Hypothekenbüchern zum 26. April 1751. Erstmals erhalten alle Häuser eine feste Hausnummer.

1755:

In Aussicht auf einen geplanten Besuch des Preußenkönigs im Juni des Jahres (er besuchte Emden vom 14. bis 16. Juni und plante anschließend einen Besuch in Norden) traf man Vorbereitungen zu einem Salutschießen zu seinen Ehren, bei dem durch Leichtsinn ein Kanonenrohr platzt. Drei Menschen werden sofort getötet sowie 14 weitere leicht bis schwer verletzt, von denen vier nachträglich versterben.

1756:

Die letzten Reste der Ruine der Andreaskirche werden abgebrochen. Möglicherweise finden ihre Steine auch bei dem in diesem Jahr errichteten Großen Norder Siel Verwendung.

1761:

Am 25. September des Jahres erreichen 83 französische Husaren im Zuge des Siebenjährigen Krieges die Stadt und fordern von Amtsverwalter Hajo Laurenz Damm eine Kontributionszahlung von 30.000, später 10.000 Dukaten. Da dieser die Summe nicht aufbringen kann, misshandeln die Franzosen ihn und werden daher schließlich von aufgebrachten Norder Bürgern in die Flucht geschlagen.

1769:

Der Bau des Leysanderpolders engt das Norder Tief weiter ein.

1774:

Der Zuckerpolder wird eingedeicht. Hier entstehen eine Zuckerraffinerie und eine Ziegelei.

1775:

Der Buscherpolder erweitert das Gebiet von Westermarsch I in Richtung Nordsee.

Das Addinggaster Siel wird errichtet und später nach Friedrich dem Großen benannt.

1781:

Durch den Bau des Schulenburgerpolders werden bedeutende Schritte gewonnen, um das im 14. Jahrhundert verlorene Westeeler Land zurückzugewinnen.

1783:

Die Stadt bekommt ihre erste Brandordnung. Darin wird erstmals gesetzlich festgeschrieben, wie die Bevölkerung sich im Brandfall zu verhalten hat und ein jeder zur Mithilfe verpflichtet.

1789:

Der Lorenzpolder und der Friederikenpolder vergrößern das Gebiet von Westermarsch I und führen zu einer weiteren Verengung des Norder Tiefs.

1794:

Die Norder Fehngesellschaft wird gegründet. Unternehmensziel ist der Torfabbau aus den Mooren bei Norderfehn. In diesem Zusammenhang wird auch der Berumerfehnkanal erbaut, über den der Torftransport in die Stadt erfolgt.

19. Jahrhundert

1804:

Durch den Bau des Teltingspolders wird das Gebiet des zukünftigen Neuwesteels weiter vergrößert.

1806:

Ostfriesland - und damit auch Norden - fallen nach dem Sieg Napoleons an das Königreich Holland, einem Vasallenstaat Frankreichs, der von Napoleons Bruder regiert wird. Ab dem 22. November 1806 wird Norden vom 1. Bataillon des 9. Regiments der Königlich Holländischen Infanterie unter Capitain Hoffmann besetzt.

Der niederländische Kaufmann Jan ten Doornkaat Koolman gründet in Norden die Brennerei Doornkaat.

1810:

Ostfriesland - und damit auch Norden - wird unmittelbarer Teil des Königreichs Frankreich und nicht mehr Hollands.

1814:

Das Amt Norden wird gegründet.

1815:

Nach der Fremdherrschaft während der napoleonischen Zeit wird Ostfriesland dem Königreich Hannover zugeschlagen. Maßgeblich daran beteiligt war das mit Hannover verwandte britische Königshaus, das eine Festsetzung des mächtigen Preußens an der Nordseeküste verhindern wollte.

1825:

Die Februarflut richtet vom 3. bis 5. Februar schwere Verwüstungen an. Sie führte vor allem auch zu einer Übersalzung der landwirtschaftlichen Nutzflächen, wodurch zahlreiche Bauern ihre Höfe aufgeben und versteigern lassen mussten. In der Folge wurden die Seedeiche erheblich verstärkt.

1838:

Die Stadt erhält erstmals eine Straßenbeleuchtung.

1844:

Nachdem der hannoversche König die Insel Norderney für sich entdeckt hatte und hier regelmäßig anreiste, wird die Bundesstraße befestigt, um dem König ein besseres Anreisen zu ermöglichen und die Straße nicht jedes Mal vor und nach seiner Anreise wieder herrichten zu müssen.

1846:

Der Bau des Ernst-August-Polders führt zu weiteren Landgewinnungen rund um das spätere Neuwesteel.

Aufgrund gravierender Missernten kommt es zu einer Hungersnot, die noch Jahre später Auswirkungen auf die Ernährungslage der Bevölkerung hat. 1846 geht dadurch auch als Hungerjahr in die Norder Stadthistorie ein.

1847:

Die andauernde Hungersnot ist ausschlaggebend für die Gründung der sogenannten Kinderbewahranstalt, einem frühen Vorläufer der heutigen Kindertagesstätten bzw. -gärten.

1857:

Auf Initiative des Norder Großindustriellen Arend Wilhelm Steinbömer, genannt Der Konsul, besucht König Georg V. von Hannover die Stadt am 9. September des Jahres.

1858:

Bei einem Großbrand in der Brückstraße fallen sechs Häuser den Flammen zum Opfer.

Norden wird an das Telegrafennetz angeschlossen.

1861:

Die Stadt erwirbt das bis dahin im Eigentum der Kirche befindliche Alte Rathaus.

1866:

Ostfriesland fällt wieder an Preußen. Ein spürbarer wirtschaftlicher Aufschwung beginnt.

1882:

Norden erhält einen Anschluss an das Eisenbahnnetz in Richtung Emden und Wittmund.

1883:

Die Stadtverwaltung zieht im Herbst in das neue Rathaus.

1885:

Aus den ehemaligen Ämtern Norden und Berum entsteht der Landkreis Norden mit Sitz in der Küstenstadt.

Am 19. April wird der Grundstein für den Bau der Ludgeruskirche an der Osterstraße gelegt.

1886:

Der erneute Brand der Frisiamühle führt zur Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Norden.

1889-1892:

Bau der ersten Hafenmole in Norddeich.

1892:

Die Bahnstrecke wird gen Norddeich erweitert.

1896:

Nach Fertigstellung des Gaswerks wird die Norder Straßenbeleuchtung mit Stadtgas betrieben.

1898:

Die Stadt erhält einen Anschluss an das Fernsprechnetz. Erstmals kann man von und nach Norden telefonieren.

20. Jahrhundert

1900:

Die Deichacht Norden wird gegründet. Von nun an sind nicht mehr die unmittelbaren Deichanlieger gemäß Spatenrecht dem Deichunterhalt verpflichtet. Vielmehr werden nun alle Nutznießer befestigter Deiche für die Finanzierung des Unterhalts herangezogen.

1902:

Am 24. August 1902 findet hinter der Onno Behrendschen Fabrik das erste Fußballturnier der Stadt statt. Der FC Fresena verliert 5:1 gegen Spiel und Sport Delmenhorst.

1904:

Erstmals werden die Straßen und die dazugehörigen Häuser jeweils einzeln mit Hausnummern hinterlegt.

1905:

Die ersten Autos fahren auf Norder Straßen. Zu den Pionieren der Motorisierung in Norden gehört der Tüftler Carl Freese, der bereits ab 1903 eines der ersten - oder möglicherweise das erste - Motorrad in der Stadt besaß. Eine weitere Neuerung, die die Norder verblüfft oder gar in helle Aufregung versetzt, war ein reisendes Kino, das im Juni des Jahres den staunenden und belustigten Besuchern eine vertonte Filmaufführung auf dem Marktplatz darbietet.

Die erste Badeanstalt Nordens wird am Galgentief durch den Verein für naturgemäße Lebens- und Heilweise (BloMo) gegründet.

1907:

Die ersten Privathaushalte werden über das Gaswerk mit Gas versorgt. Zunächst kommt noch Stadtgas zum Einsatz, das bereits bei der Befeuerung der Straßenbeleuchtung zum Einsatz kommt.

1908:

Neben der weit über Ostfriesland hinaus bekannten Geneverbrennerei Doornkaat mit einem jährlichen Ausstoß von rund 2 Millionen Liter Genever zählte die 1848 gegründete Eisenhütte mit 200 Arbeitern und die Tabakmanufaktur Steinbömer & Lubinus vor dem Ersten Weltkrieg zu den wichtigsten Arbeitgebern in der Stadt.

1911:

Im Sommer des Jahres kommt es infolge einer Hitzefelle zu einer schweren Dürre, in dessen Folge zahlreiche Fische und Nutztiere starben. Missernten führten zu Teuerungen der Lebensmittelpreise.

1914:

Die Stadt erhält am 10. März 1914 erstmalig einen Anschluss an die Elektrizitätsversorgung. Vier Monate später beginnt der Erste Weltkrieg, der auch viele wehrpflichtige Norder Bürger das Leben kostet.

1915:

Der anhaltende Krieg führt zu Nahrungsmittelengpässen. Wöchentlich werden zwei fleischlose Tage (Dienstag und Mittwoch) eingeführt. Den örtlichen Schlachtern war es bei Strafe verboten, ihre Ware an diesen Tagen anzubieten. Ebenso waren die Gastwirte gehalten, keinen Braten an den Tagen zu verkaufen. Weitere Einschränkungen gab es durch die Ausgabe von Lebensmittelberechtigungsscheinen, der Untersagung des Verkaufs von Weizenmehl und die Ausgabe von Petroleumkarten (damals als Leuchtmittel verwendet).

Im November werden die Volksschulen in Norden und in der Gemeinde Sandbauerschaft wegen grassierender Diphterie vorübergehend geschlossen.

1918:

Im letzten Kriegsjahr und noch bis 1919 strömen ganze Menschenmassen nach Norden und die umliegenden Gemeinden, um zu hamstern. Diese kommen zum Teil sogar ganz aus dem Rheinland und versuchen hier Schuhe, Tee und persönliche Wertgegenstände gegen Lebensmittel, vor allem Erbsen, einzutauschen. Da die Reichswährung kein sicheres Zahlungsmittel mehr ist, beschließt der Magistrat die Einführung von Notgeld.

1919:

Die Norder Umlandgemeinde Sandbauerschaft wird unter ihrem letzten Bürgermeister Popke Fegter zum 1. April nach Norden eingemeindet.

1923:

Durch die Besetzung des Ruhrgebietes durch belgische und französische Truppen kommt es zur Vertreibung von deutschen Staatsbürgern. Einige von ihnen finden in Norden Unterkunft. Der Großteil kehrt nach Abzug der fremden Streitkräfte im Jahr 1925 zurück in das Ruhrgebiet.

Die Inflation führt ab Februar 1923 zu einer enormen Teuerung. Ein Zentner Getreide kostet rund 50.000 Mark, ein Pferd bis zu 40 Millionen Mark.

1926:

Der Entwässerungsverband Norden wird gegründet. Bereits drei Jahre später entsteht das Leybuchtsiel.

1929:

Durch Eindeichung weiterer Ländereien entsteht der Ort Neuwesteel. Zur Entwässerung der neuen Ländereien wird der Bau eines Siels erforderlich. Norden verliert dadurch seinen Zugang zum offenen Meer und der Norder Hafen verliert weitestgehend an Bedeutung.

1932:

Der Landkreis Norden wird um die Krummhörn erweitert.

Ein schweres Gewitter vom 13. auf den 14. August setzt mehrere Gebäude in den Marschgebieten in Brand.

1937:

Am 6. Juni 1937 wird der Grundstein für das Feuerwehrhaus an der Klosterstraße gelegt. Ein Jahr später wird der Bau seiner Bestimmung übergeben. Die ehemaligen Spritzenhäuser werden dadurch nicht mehr benötigt.

1938:

Am 9./10. November setzen die Nationalsozialisten unter der Führung ihres Kreisleiters Lenhard Everwien die jüdische Synagoge in Brand.

Der Bau des Wasserturms wird begonnen. Der Betrieb wird ein Jahr später aufgenommen.

1939:

Am 2. August 1939 erhält Norden nun auch einen Anschluss an die Wasserversorgung. Einen Monat später bricht der Zweite Weltkrieg aus, in dem abermals hunderte Söhne und Töchter der Stadt ums Leben kommen. Die Stadt selbst wird nur vereinzelt Ziel von alliierten Luftangriffen und übersteht den Krieg vergleichsweise glimpflich.

1945:

Am 20. April hält NSDAP-Kreisleiter Lenhard Everwien seine vorletzte Rede im Deutschen Haus, in dem er die Zuhörer des vollbesetzten Saals auf Adolf Hitler und auf einen Kampf bis zum Tode einschwört. Zu diesem Zeitpunkt stehen die alliierten Streitkräfte bereits vor Leer.

Am 4. Mai erklären die Stadtoberen Norden zur offenen Stadt, die nicht mehr verteidigt wird. Vorhandene Panzersperren u.ä. werden wieder abgebaut.

Am 6. Mai erreichen kanadische Truppen die Stadt und nehmen diese kampflos ein. Fortan übernimmt die britische Militärregierung die Macht.

Norden und Umland nehmen zahlreiche Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten und der Sowjetischen Besatzungszone auf. Das notleidende Norden erhält u.a. Spenden aus Schweden.

Die erste Vereinsgründung der Nachkriegszeit erfolgt am 4. August: Der FC Norden entsteht.

1946:

Am 1. November 1946 wird das Land Niedersachsen gegründet. Es tagt der erste frei gewählte Norder Rat nach Kriegsende.

1947 bis 1950:

Der Leybuchtpolder wird eingepoldert. Hier wird 1950 der gleichnamige Ort, zunächst als eigenständige Gemeinde, gegründet.

1951:

Am 1. Januar 1951 trifft der schwedische Fußballverein Nybro Idrottsförening in Norden ein und spielt gegen den FC Norden. Es ist das erste internationale Fußballturnier der Nachkriegszeit.

1952:

Tidofeld, bis dahin Ortsteil der Gemeinde Lütetsburg, wird nach Norden eingemeindet. Ebenso erwirbt die Stadt Norden von der damals noch eigenständigen Gemeinde Westermarsch I das Land um Vierzig Diemat, um weiteren Wohnraum erschließen zu können.

1958:

Baubeginn für die Kanalisation.

Bau des ersten Meerwasserbadebeckens.

1962:

Die Februarflut 1962 sorgt für schwere Schäden an den Seedeichen. Die Stadt kommt, bis auf einige Sturmschäden, jedoch relativ glimpflich davon. In der Folge verstärkt die Deichacht Norden die Deiche erheblich.

1965:

Die Deichachten der Norder Umlandgemeinden kommen zur Deichacht Norden.

1967:

Das Gaswerk stellt von Stadt- auf Erdgas um.

1968:

Beginn der Altstadtsanierung zwischen Markt und Hafen. Die historische Struktur weicht Neubauten.

1972:

Im Zuge der niedersächsischen Gemeindereform werden die bis dahin selbständigen Umlandgemeinden Ostermarsch, Lintelermarsch mit Norddeich, Süderneuland I, Süderneuland II, Westermarsch I, Westermarsch II, Leybuchtpolder, Neuwesteel sowie der vorher zu Lütetsburg gehörende Ortsteil Bargebur als Ortsteile nach Norden eingemeindet.

Zur Förderung des Fremdenverkehrs wird die Kurbetriebs GmbH gegründet.

1972 bis 1975:

Die Deichlinie wird deutlich verstärkt. Der Deichverstärkung fällt unter anderem der Große Krug zum Opfer.

1973:

Einweihung des neuen Meerwasserbadebeckens in Norddeich.

1977:

Norden verliert den Sitz des aufgelösten gleichnamigen Landkreises, der mit Aurich zum neuen Landkreis Aurich vereint wird.

Das Gewerbegebiet Leegemoor wird erschlossen.

1979:

Das Nordseebad Norden-Norddeich wird staatlich anerkannt.

Eröffnung des Meerwasserhallenwellenbades.

Lang anhaltende Schneefälle verursachen im Februar des Jahres die sogenannte Schneekatastrophe.

1981:

Einweihung des Weiterbildungszentrums der Kreisvolkshochschule.

1989:

Baubeginn für die Fußgängerzone Neuer Weg.

1996:

Die Dr. Becker Klinik in Norddeich nimmt ihren Betrieb auf.

Tidofeld, bis dahin unmittelbarer Teil der Norder Kernstadt, wird zu einem eigenständigen Stadtteil erhoben.

21. Jahrhundert

2003:

Eröffnung des Erlebnisbades Ocean Wave in Norddeich.

Nadörst und Altendeich werden an die Kanalisation angeschlossen. Im Zuge dessen erhalten die Häuser eine aktuelle Hausnummerierung. Das alte System findet seitdem nur noch beim Verschönerungsweg, dem Leegelandweg und der Bundesstraße Anwendung.

2008 / 2009:

Bau der Umgehungsstraße.

2010:

Norden-Norddeich wird staatlich anerkanntes Nordseeheilbad.

2014:

Norden wird frauenORT.

2020:

Die COVID 19-Pandemie erreicht im Frühjahr auch Norden. Ab dem Sommer wird vom Landkreis Aurich das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes im innerstädtischen Bereich und an frequentierten Bereichen im Norder Hafen verfügt.